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Radxhain

Tagesspiegel-Radmesser Überholdaten aus Berlin

100 freiwillige Radfahrer*innen haben in Berlin zwei Monate Daten zu Überholvorgängen erhoben. Mehr als die Hälfte der Überholvorgänge halten nicht den gesetzlichen Mindestabstand ein.

Zwei Drittel der 5.000 Personen, die vom Tagesspiegel befragt gaben an sich unsicher im Straßenverkehr zu fühlen und Angst zu haben.
Besonders bei jenen, die mit dem Rad unterwegs sind.

Mehr als 90 Prozent der Befragten empfinden zu eng überholende Autos dabei als Hauptgefahr. In einem großangelegten Versuch hat der Tagesspiegel daher nun erstmals erfasst, wie nah Rad- und Autofahrer sich in der Stadt wirklich kommen. Dafür wurden 100 Testfahrer aus allen Bezirken zwei Monate lang mit Abstandssensoren ausgrüstet. Insgesamt legten sie in dieser Zeit 13.300 Kilometer zurück. Fast 17.000 Überholvorgänge wurden ausgewertet. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, warum die Stimmung auf der Straße so aggressiv ist.

Ein Viertel der Befragten hatte bereits einen Fahrradunfall

Demnach überholt mehr als die Hälfte aller Pkw, Lkw, Busse und motorisierter Zweiräder Fahrradfahrer zu eng. Laut gängiger Rechtsprechung muss beim Überholen mindestens ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden, sind Kinder mit auf dem Rad sogar mindestens zwei Meter. Der Abstand wurde in 56 Prozent aller Messungen unterschritten. In 18 Prozent der Fälle betrug dieser sogar weniger als einen Meter. Für Fahrradfahrer eine echte Gefahr. Fast ein Viertel der Befragten gaben an, in den vergangenen zwei Jahren einen Unfall gehabt zu haben. Am gefährlichsteen sind die Überholvorgänge der Messnung nach in Pankow. Die wenigsten verstöße gab es in Marzahn-Hellersdorf.

Verkehrssenatorin: Höhere Bußgelder wären hilfreich

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos für die Grünen) bezeichnete zu enges Überholen als stadtweites Problem. Dem Tagesspiegel sagte sie, Radverkehr müsse sicherer werden, „damit Radfahren für mehr Menschen als bisher überhaupt eine Option wird.“ Es müsse ein konkreter Sicherheitsabstand in der Straßenverkehrsordnung verankert werden, sagte sie. Und regte strengere Sanktionen an: „Sehr hilfreich wären höhere Bußgelder – zur effektvollen Abschreckung.“

Das Problem: Der Abstand bei Überholmanövern wird in Berlin bisher nicht kontrolliert. 30 Euro kostet zu enges Überholen laut Bußgeldkatalog. Allein die vom Tagesspiegel gemessenen Verstöße aus zwei Monaten würden sich auf mindestens 282.060 Euro summieren.

Mehr dazu im Tagesspiegel oder unter dem Radmesser.