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Getty Images / Brook Mitchell

08.07.2018

Insvolvenz-Verwalter für Obike: Zweite Pleite bahnt sich an

Radflotten sind ein urbanes Phänomen. Anbieter ein Phantom - bei städtischen Nachfragen. Obike steht unter Insolvenzverwaltung. Die zweite Pleite. Obike schweigt. Was ist da los?

Das Leihrad-Unternehmen Obike mit Hauptsitz in Singapur steckt verschiedenen lokalen Medienberichten zufolge in finanziellen Schwierigkeiten. Es geht vor allem um offene Zahlungen an Kunden. Damit ist dies der zweite "Fall" des Fahrrrad-Sharing, der scheitern könnte - nach dem Chinesen Bluegogo.

Kurz nachdem die singalesische Verkehrsbehörde LTA (Land Transport Authority) eine Leihfahrrad-Gebühr eingeführt hatte, teilte das Startup am 25. Juni mit, seinen Dienst in Singapur einzustellen. Nutzer forderten daraufhin ihre gezahlten Kautionen in Höhe von jeweils bis zu 49 Singapur-Dollar zurück (umgerechnet knapp 31 Euro).

Gebühren-Einführung in Singapur als Auslöser für Kautionsrückzahlungsansprüche

Die Rückzahlung genau dieser Kautionen steht nun aus. Insgesamt steht Obike demnach mit 6,3 Millionen Singapur-Dollar (3,95 Millionen Euro) in der Schuld seiner Nutzer. Zwei Insolvenzverwalter seien bestellt, heißt es weiter. Aus deren Stellungnahmen geht allerdings hervor, dass unklar ist, ob das Startup seine Kautionsschulden überhaupt begleichen wird bzw. kann.

Noch immer ist Obike mit zehntausenden stationslosen Leihrädern auf den Straßen Singapurs vertreten. Das Unternehmen hat davon nach Angaben der Verkehrsbehörde gerade einmal 1.000 Räder beseitigt. Für die Räumung der verbleibenden Masse hat die LTA dem Startup bis Ende dieses Monats Zeit gegeben.

In Deutschland mussten Fahrer für die Obike-Nutzung keine Kaution hinterlegen. Einen Rückzug seiner Bikes hatte das Startup aber auch hierzulande vorgesehen: Nur sechs Monate nach dem sehr holprigen Start mit hohem Vandalismus im August 2017 kündigte Obike im vergangenen März an, 6.000 seiner 7.000 Räder aus München abziehen und sie auf andere Städte verteilen zu wollen z.B. Dortmund. Der Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen, wie die Münchner Zeitung tz berichtet: Die Fahrräder stehen und liegen weiterhin überall herum – und die Stadt erreicht das Unternehmen nicht, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Der Münchner Radverkehrsbeauftragte, Florian Paul, sagte der Zeitung: „Obike stellt sich tot.“

In Deutschland ist das Unternehmen „zurzeit nicht erreichbar“

Schon der Deutschlandstart von Obike war holprig verlaufen. Die Münchner klagten über massenhaft herumstehende Fahrräder des Leihrad-Anbieters. Im Interview mit NGIN Mobility und Gründerszene gelobte der damalige Deutschlandchef Marco Piu, der mittlerweile das Unternehmen bereits verlassen hat, Bessung. Ziel des Anbieters war es, bis Ende 2018 in den wichtigsten europäischen Städten präsent zu sein.

In Berlin war der Anbieter mit den gelb-grauen Rädern pünktlich nach der Fahrrad-Hochsaison im Herbst 2017 gestartet. Offenbar wollte man sich beeilen, um möglichst schnell auch in der Hauptstadt verfügbar zu sein. Konkurrenz gibt es in Berlin reichlich: Leihfahrräder können sich Pendler hier beispielsweise auch von Mobike, Ofo, Nextbike, Lime, Donkeys und Deutsche Bahn/Lidl und bald Jump und weiteren leihen.

Wie es mit Obike in Deutschland weitergeht, ist derzeit nicht abzusehen. Die PR-Agentur des Startups gibt an, bereits seit Mai nicht mehr für das Startup zuständig zu sein. Aktuelle Ansprechpartner seien nicht bekannt. Die auf der Webseite des Anbieters angegebene Nummer ist „zurzeit nicht erreichbar“. In der Mitteilung zum Aus in Singapur hieß es lediglich: „Die Entscheidung wird Obikes Aktivitäten in anderen Ländern nicht beeinflussen.“ Die deutsche Facebook-Seite des Anbieters war in den letzten Tagen noch aktiv.

Bezirke müssten im Zweifel Räder entsorgen

Ob und welche Auswirkungen das vorläufige Insolvenzverfahren in Singapur auf Obikes Aktivitäten in Berlin hat, ist noch unklar. Der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr teilte auf Anfrage mit, ihr sei nicht bekannt, ob der Anbieter seinen Dienst in Berlin einstellt. Sollte dies jedoch so sein und der Anbieter würde die aufgestellten Räder nicht aus dem Straßenraum entfernen, müssten schließlich die Bezirke die alten Räder entsorgen.

Diskussion über stationsgebundene Flotten & Betriebsgenehmigungen wird kommen müssen

Angesichts weiteren Anbieter - allesamt Start Ups im Bereich Rad- und Roller-Sharing wie auch die in angestammten Geschäftsfeldern nicht-profitablen Anbieter Uber oder Lyft -, die 2018 und 2019 noch angekündigt in den Markt drängen, stellt sich die Frage für ein auch für Städte transparentes stationsgebundenes Fuhrparkmanagement der Flotten wie Betriebsgenehmigungen. Auslöser der Krise war genau die Einführung von städtischen Gebühren in Singapur.