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Studien: Stau durch »neue urbane Mobilitätsangebote«

Hypothese, dass gemeinsam genutzte Fahrzeuge (Ride Hailing) entlastet, in internationaler Studie widerlegt. Mehr Stau, Emission, Lehrfahrten statt ÖPNV-, Rad- & Fussverkehr.

Um was geht es genau?

Ride-Hailing-Dienste haben in weiten Teilen der Welt die klassischen Taxi-Dienstleister ergänzt oder teilweise auch verdrängt. Firmen wie Uber und Lyft versprechen, sein Privatfahrzeug per App als Transportmittel registrieren zu lassen und so Passagiere von A nach B zu fahren, die dies per App buchen.

Wie Forscher der interdisziplinär besetzten Gruppe „Future Urban Mobility“ (FM) in einer veröffentlichten Studie herausfanden, führt dieses Transportmodell nicht zu weniger, sondern im Gegenteil zu mehr Verkehrsaufkommen. FM ist ein Gemeinschaftsprojekt der „Singapore-MIT Alliance for Research and Technology“ (SMART), dem US-amerikanischen „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) und der japanischen Tongji-Universität.

Arbeitshypothese: Weniger Privatfahrzeuge = weniger Verkehr?

Die Arbeitshypothese der FM-Forscher lautete, dass gemeinsam genutzte Fahrzeuge, wie es etwa bei Uber und Lyft der Fall ist, zu insgesamt weniger Verkehrsvolumen führen müssten. Personen würden nur im Bedarfsfall ein ohnehin auf den Straßen befindliches Fahrzeug nutzen. Mathematische Modelle hatten den Forschern zunächst ein erhebliches Einsparpotenzial errechnet.

Zur Kontrolle der getroffenen Hypothesen untersuchten sie die Verkehrsentwicklung in großen US-amerikanischen Städten und kamen zu einem völlig unerwarteten Ergebnis. Offenbar sei das Übersetzen mathematischer Modelle in die Realität doch nicht so einfach, führte Mitautor Jinhua Zhao aus.

Die Gründe: Ride Hailing ersetzt emissions- und platzssparendere Mobilitätsformen und erzeugt viele Leerfahrten.

Ride-Hailing führt zu mehr Staus im Stadtgebiet

Tatsächlich fanden die Forscher keinen Rückgang im Verkehrsvolumen, sondern einen Anstieg. Verkehrsstörungen wie Staus hatten um ein Prozent zugenommen. Deren Dauer steigert sich sogar um nahezu fünf Prozent. Hingegen hatte die Nutzung privateigener Fahrzeuge nur um ein Prozent, die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs aber um fast neun Prozent nachgegeben. Konkret: Die Einführung von Ride-Hailing-Diensten motiviert ÖPNV-Ersatzverkehr. Gerade der ÖPNV gilt jedoch als effizienteste Lösung für den Personentransport in Ballungsräumen. Eine Schwächung ist weder im Sinne der Stadtplaner*innen noch der Autofahrer*innen.

Besonders negative Entwicklung: Ride-Hailing statt Spaziergang & Radverkehre

Ungefähr die Hälfte aller Ride-Hailing-Fahrten würden sich ohne ein entsprechendes Ride-Hailing Angebot entweder zu Fuß, per Fahrrad oder per ÖPNV bewegen - oder sogar überhaupt nicht.

Weitere Negativ-Effent: Leerfahrten durch Sternverkehre zu hoch.

Weiterhin sollen Leerfahrten einen bedeutenden Anteil an den gefahrenen Ride-Hailing-Kilometern haben. Studien zufolge soll der Anteil der Leerfahrten bis zu rund 41 Prozent betragen. Dies bedeutet Fahrer*innen fahren nur eine Strecke produktiv und in der Regel zurück - allein.

Weitere Studie: Höhere Luftverschmutzung

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Ride-Sharing-Dienste wie Uber oder Lyft fast 70 Prozent mehr Luftverschmutzung erzeugen als die Fahrten, die sie ersetzen. Mehrere Befragungen zeigen, dass Ride-Sharing-Dienste häufig als Ersatz für Fortbewegungsmittel eingesetzt werden, die deutlich umweltfreundlicher sind – also öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrräder. So gesehen führt eine Fahrt mit einem Ride-Sharing-Dienst sogar zu einem Anstieg der Luftverschmutzung von 69 Prozent, heißt es in dem Bericht der Union of Concerned Scientists.