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© Chen Zixiang

Pleiten & Proteste: Mieträder im öffentlichen Raum

Nachhaltiges Geschäftsmodell: sharing – no caring? Die erste Insolvenz des chinesischen Anbieters für stationsungebundene Leihräder. "Betreiber müssen öffentlichen Raum respektieren" - auch in China.

In China liefern sich die Anbieter von Mieträdern einen erbitterten Wettstreit um den öffentlichen Raum, wie der Guardian berichte. Die Räder können per Smartphone geöffnet werden und überall abgestellt werden. Doch anscheinend gibt es dafür nicht genug Bedarf. Letzte Woche meldete der drittgrößte Anbieter Bluegogo von Mieträdern Insolvenz an.

Daher sollte man sich das Bild etwas genauer ansehen. Was auf den ersten Blick wie Kunst wirkt, ist in Wahrheit ein unvorstellbarer Fahrradfriedhof von Rädern, die zuvor die Städte vollgestellt hatten. Die letzte Ruhestätte von Fahrrädern der drei großen Anbietern in China: Mobike, Ofo und Bluegogo. Ausrangiert und ausgedient.

Die Insolvenzanmeldung von Bluegogo führte zu Diskussionen in China über die Notwendigkeit von verschiedenen Anbietern von Mieträdern, die viel Platz weg nehmen und nicht ausreichend genutzt werden. Shanghai zählt derzeit 1,5 Millionen Mieträder, die Fußwege versprerren, illegal geparkt oder wie das Foto zeigt außerhalb der Stadt gestapelt werden. Im Vergleich verfügt London über 11.000 Leihräder. Dazu muss man in Betracht ziehen, dass Shanghai ungefähr drei mal so viele Einwohner hat, trotzdem erscheint die Anzahl der Mieträder maßlos höher.


Was heißt diese Entwicklung für die Urbane Mobiltät?

Radfahren ist für die vielen kurzen Wegen im verdichteten urbanen Raum die effizienteste Fortbewegung - so sind sich Verkehrswissenschaftler wie Kommunen und auch die Radwirtschaft einig. Die Kritiken, die nun auch in Deutschland aufkommen, hängen mit zwei Themen zusammen: (1) Infrastruktur der Parkierung und (2) Hoheitliche Frage, wer den öffentlichen Raum für Geschäfts- oder Datensammel-Modell mit welcher Legitimität nutzen darf.

Ja, es braucht mehr Platz und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Stadt. Das war auch vor den Mietradflotten so. Ja, es braucht mehr Platz fürs Fahrrad im öffentlichen Raum, das wird nun bei steigendem Anteil am Gesamtverkehre in vielen Städte spür- und sichbar.

Aber die Frage wie viel Platz Mieträder-Betreibern ohne Verleihstationen in Städten eingeräumt werden muss, sollte noch geführt werden. Und zwar am besten aus der Politik und der Zivilgesellschaft und den Betreibern.

Sonst wird das Bike-Fishing bald überall zum lokalen Sport wird, und nicht erst in Australien.

Wer Lust auf Ironie & Instagramm hat, sollte sich die beeindruckende Ausgabe des SZ-Magazins zu Radflotten in München nicht entgehen lassen. Hier online abrufbar.