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© Stefan Anker

Bremsen Autos bald automatisch für Fahrräder?

An jedem vierten Verkehrsunfall mit Personenschaden ist ein Fahrrad beteiligt. Sind Fahrassistenzsystem der nächste Schritt auf dem Weg zur Vision Zero?

Bosch präsentiert auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) ein Notbremssystem an Autos, um Radfahrer besser zu schützen. Die Ursache: 12 Prozent aller Verkehrstoten in Deutschland (das sind laut Statistischem Bundesamt 393 Menschen) sind im Jahr 2016 durch einen Fahrradunfall ums Leben gekommen. Eine Hauptursache ist der Zusammenstoß mit Autos, die in zwei Dritteln aller Fahrradverkehrsunfälle beteiligt sind. Bosch behauptet, dass mit seinem Brems-Fahrassistenzsystem fast jeder zweite Unfall zwischen PKW und Fahrrad mit Personenschaden abgeschwächt oder vermieden werden könnte.

Und so funktioniert's: Sobald die Radar- oder Videosensoren des Notbremssystems Warnsignale senden, wird die volle Bremsleistung aktiviert. So braucht der elektromechanische Bremsversträker iBooster nur 190 Millisekunden Reaktionszeit und kann so eine drohende Situation verhindern. „Auf dem Weg zum unfallfreien Fahren sind Fahrerassistenzsysteme der nächste Schritt“, sagt Bosch-Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel. „Die elektronischen Helfer sind immer aufmerksam und reagieren zur Not schneller als der Mensch. Im oftmals wuseligen Stadtverkehr können sie Autofahrer gezielt unterstützen.“ Dabei sind Notbremssysteme nicht ganz neu. Seit 2016 existieren sie bereits für Fußgänger.

Eine Forsa-Umfrage bestätigt, dass 88% der Radfahrer*Innen Angst vor rechtsabbiegenden PKW und LKW haben.

Fahrradfahrer werden in diesen Manövern oft übersehen. Die Gefahr ist außerdem beim so genannte "Dooring" recht hoch, also dem unvermittelten Aufreißen einer Fahrzeugtür ohne vorausgegangen Schulterblick durch den Fahrer. Für Fahrradfahrer bleibt oft keine Zeit zu reagieren und die Folgen sind schwerwiegend. Bosch möchte nun die Sensoren auf der Heckanwendung mit einer Austiegswarnung ausstatten. Diese Sensoren überwachen das Verkehrsgeschehen und können auf bis zu 20 Meter Verkehrsteilnehmer erkennen und Fahrzeuginsassen rechtzeitig warnen bevor sie zum Türgriff greifen. Was bis dahin unbedingt empfohlen wird, ist der holländische Griff. Das heißt, dass Autofahrer*innen die Tür mit der rechten Anstatt mit der linken Hand öffnen und sich so schon automatisch nach hinten drehen und einsehen können, ob Radfahrer*innen am stehenden Auto vorbeifahren.