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17.12.2021

Architektenkammer: Podcast mit Petzet & Jansen

Die Kreislaufwirtschaft von Immobilien & Mobilität. MOND-Geschäftsführer Jansen und Muck Petzet, u.a. Kurator Architektur Biennale, Venedig, waren zum Gespräch geladen.

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Dass sich der Kreislauf in Zukunft langsamer drehen muss, um die graue Energie des Gebäudebestands zu heben, darüber herrschte große Einigkeit unter den Gästen der fünften Podcastfolge. Bei „Noch gut“ diskutierten der Stiftungsprofessor für Urbane Innovation – Mobilität, Gesundheit, Digitalisierung – Dr. Stephan Jansen von der Universität der Künste in Berlin, Muck Petzet, Architekt und Professor für Sustainable Design und Entwurf an der Accademia di architettura in Mendrisio (Schweiz) und die freischaffende Architektin und Vizepräsidentin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Edda Kurz. Das Gespräch moderierte die Pressesprecherin der Architektenkammer Annette Müller.

Im Jahr 2012 hatte Muck Petzet als Kurator des Deutschen Pavillions auf der Biennale in Venedig das Bauprinzip „Reduce - Reuse - Recycle“ lanciert. Was damals noch revolutionär klang, erlebt heute in der Architektenschaft eine Renaissance. „Müllvermeidung vor Recycling“ oder „Umbauen statt neu bauen“ heißen die neuen Leitplanken. Doch wie gehen die Forderungen der Branche mit dem gesellschaftlichen Zeitgeist zusammen? Wenig, sagt Edda Kurz. Im Gegenteil, die Architektin vermisst die Wertschätzung für den Bestand unter den Bauherren. So umfasse zwar der Lebenszyklus von Altbauwohnungen aus der Gründerzeit inzwischen 120, 140 Jahre. Wohnhäuser jüngeren Datums, insbesondere Nachkriegsbauten, gelten hingegen bereits nach 50 Jahren als „abgeschrieben“. „Etwas Neues“, so die Expertin, „wird als Wertiger angesehen, wir müssen aber das Bewusstsein dahingehend verändern, dass „neu“ kein Wert an sich ist.“ Mehr Respekt vor dem Bestand wünscht sich auch Muck Petzet, er könne sich sogar vorstellen, diesen mit der Einführung einer Art „Dosen-“Pfand für Gebäude zu erwirken.

Stephan Jansen legte mit einer weiteren Zahl nach: Bei 36 Jahren liege das Durchschnittsalter von Wohneigentum in Deutschland. Gleichzeitig steige die Lebenserwartung der Menschen, die darin wohnen. Dies könne nicht funktionieren. Aber auch der Wohnflächenverbrauch pro Kopf sei von 34,9 Quadratmetern im Jahr 1990 auf heute 47,4 Quadratmeter pro Person angestiegen. Aus der Glücksforschung wisse man hingegen, das 25 Quadratmeter pro Person ausreichen - vorausgesetzt es stehen ausreichend öffentliche Räume, Cafes und Parks zur Verfügung. Platz hierfür könnte unter anderem durch neue Formen des Teilens entstehen. Jansens Hauptanliegen aber ist: „wir brauchen weniger Autobahnen und mehr Fahrradstraßen“. Die klimaneutrale und gesundheitsfördernde Stadt seien die Narrative für eine Transformation, die in Zeiten der Verrechtlichung des Klimaschutzes nicht mehr nur eine Option sei sondern eingeleitet werden müsse. Erste erfolgreiche Projekte, in denen Büros zu Wohnraum umgebaut werden, seien bereits am Start. Die Immobilien- und Quartiersentwicklung müsse dabei prinzipiell ganzheitlich betrachtet werden, fordert Jansen.

Architektin Edda Kurz hingegen fokussierte stärker auf das Einzelgebäude und machte sich primär für Detaillösungen stark. Saniererinnen und Sanierer seien etwa gefordert, Möglichkeiten zu finden, die Haustechnik auszutauschen, ohne das Gebäude vollständig zu entkernen. Architektinnen und Architekten hingegen müssten Gebäude von vornherein so konstruieren, dass sie später an den gesellschaftlichen Wandel angepasst werden können...