BICICLI Wortmarke
picture alliance / ZB

Verkehrswende beim ADAC: Nun auch für Radspuren

Der ADAC entwickelt sich. Die MOTORWELT Juni feiert das Rad. Der Gelbe Engel nun als E-Bike. Und jetzt das: getrennte Radwege - mit einer forschen Begründung.

Der ADAC galt bisher als der größte Gegner, wenn es um die Einrichtung von abgetrennten Fahrradsteifen im Innenstadtverkehr ging. Doch nun vollzieht er seine Verkehrswende.

Die Auseinandersetzung zwischen Verkehrsträgern sind legendenreich und oft argumentarm. Vertreten werden die Lager "Auto" und "Rad" traditionell durch zwei Lobbyorganisationen, ADAC und ADFC.

Doch im Juni kommt eine überraschende Wendung. Deutschlands größte Autofahrerlobbyorganisation bringt nun selbst die Argumente, den Radfahrern mehr Platz einzuräumen. Die Kernforderung "Freie Fahrt für freie Bürger" lebt. Deutschlands größter Automobilclub mit 19 Millionen Mitgliedern kommt dabei zu der viele überraschenden Feststellung: "Neue Radwege oder Fahrradstreifen bremsen Autofahrer gar nicht aus."

 

Wie kam die Wende? Forschung! Noch nicht mal aktuelle...  

In einem am Donnerstag, den 8. Juni 2017 veröffentlichten Beitrag im ADAC-Blog stellt der Club zwei - noch nicht einmal aktuelle - Studien aus den USA sehr ausführlich vor. (1) An der University of Virginia wurde herausgefunden, dass die Autofahrer um ein Drittel schneller vorankämen, wenn für Radler eine separate Spur abgetrennt werde. (2) Die Verkehrsbehörde von New York City hingegen habe am Beispiel einer Straße in Brooklyn festgestellt, dass bei mehrspurigen Strassen selbst der Wegfall einer kompletten Autofahrspur zugunsten eines Fahrradstreifens das Fortkommen und damit auch die Sicherheit der Radfahrer erheblich verbessert würde, ohne dass sich die Fahrtzeiten für die Autos nennenswert verlängerten.

"Die Ergebnisse sind zwar nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar", kommentiert der ADAC. Sie zeigen jedoch, dass die landläufige Meinung, der Autoverkehr würde durch die Einrichtung von Fahrradstreifen auf der Fahrbahn behindert, nicht stimmen müsse. "Manchmal steht eine deutliche Verbesserung für Radfahrer keinem oder nur einem marginalen Fahrzeitverlust für Autofahrer gegenüber."

 

VerkehsClubWende: Von Verkehrsträger-Lobby zur Mobilitätsarbeit 

Auch wenn die Studien zumindest radfahrenden Verkehrswissenschaftlern gut bekannt sind, ist vielmehr Interessant, dass ein Automobilclub sie jetzt veröffentlicht. Denn im Hintergrund wird zumindest in der Zentrale schon länger an einer Strategie gearbeitet, von einer Verkehrsträgerlobby zu einer Mobilitätslobby zu werden. In Deutschland ein grosser Schritt, aber ein wohl epochaler. Man will sich nun als Mobilitätsdienstleister verstehen, der die Interessen aller Verkehrsteilnehmer im Blick habe, heißt es dazu nun vermehrt beim ADAC. Die zentrale Position aus der Zentrale wird noch etwas dauern bis sie in die Fläche kommt: So haben sich am Tag danach die Leiter der Verkehrsabteilungen von Regionalclubs aus Südbayern und Berlin gemeldet: Fahrradstreifen gerade in der Hauptstadt würden mehr oder weniger willkürlich angelegt würden und so sehr wohl den Autoverkehr ausbremsen und immer wieder zu gefährlichen Situationen führen.

Im Grundsatz scheint sich dennoch ein neues Paradigma abzuzeichnen - weg von Verkehrsträger-Konflikten hin zu Mobilitäts-Konsensen mit ein wenig Forschung zur Entspannung. Vielleicht könnte auch ein ganz anderer und viel praktischerer Trend der Verständigung maßgeblich sein: Selbst fetischisierende Autofahrer steigen wieder öfter mal aufs Fahrrad um - nicht selten rasante eBikes. Und das hilft tatsächlich in der Achtsamkeit für- und aufeinander. 

Bis es dazu kommt: Die Zeitung DIE WELT hat das ADFC-Ranking nochmals nachgeschaut: 
Diese Städte sind der Albtraum für Fahrradfahrer.
Wiesbaden, Mönchengladbach, Berlin... viele können von Münster und Karlsruhe lernen.